Katzen - Geschichte und Entwicklung

Bastet - die Katzengöttin

Als an den Ufern und Delta des Nils erstmal in der Geschichte in großem Umfang Getreide angebaut wurde, boten die Kornspeicher Ratten und Mäusen natürlich ein paradiesisches Umfeld, in dem sie Katzen ohne Nahrungsprobleme schlagartig vermehren konnten.
Doch nicht nur für die Nagerplage bot sich eine neue Möglichkeit der nahezu unbegrenzten Nahrungsbeschaffung, sondern auch für eine kleine Wildkatze mit wissenschaftlichen Namen Felis sylvestris Libyca - die Falbkatze.
Die Ägypter schätzten die Jagdkünste der Falbkatze so sehr, und fanden an den ästhetischen Tieren, so dass göttliche Verehrung zuteil wurde.
Der Katzengöttin Bastet wurden Tempel errichtet, und wenn eine Katze starb, wurde sie betrauert und fast genauso aufwendig wie ein Mensch bestattet.
Die Tötung einer Katze, und der Versuch eines der heiligen Tiere außer Landes zu bringen, wurde im damaligen Ägypten mit der Todesstrafe geahndet.
Aber Dank phönizischen Kaufleuten, denen es gelang die heiligen Tiere illegal außer Landes zu schaffen, verbreitete sich die Falbkatze zuerst in den Ländern des Mittelmeerraumes, und von dort wegen ihrer sprichwörtlichen Fruchtbarkeit in die übrige Welt, wo sie sich mit dort lebenden Wildkatzen paarte und somit vermischte.

Vom dunklen Mittelalter zur Gegenwart

Der göttlichen Verehrung folgte im Mittelalter der tiefe Fall. Kirchlichen Bestrebungen alles heidnische auszurotten und die Menschen zu einem christlichen Lebenswandel anzuhalten, führten dazu dass Katzen, wohl wegen ihres auffälligen Sexualverhaltens und ihrer nächtlichen Lebensweise, mit der Unterwelt in Verbindung gebracht wurden und als Geschöpf Satans galten. Die im Dunklen leuchtenden Augen, die Neigung zu Promiskuität und nicht zuletzt der kätzische Hang nach Unabhängigkeit und Müßiggang wurde ihnen zum Verhängnis. Als dämonische Wesen, Gefährten Satans und der Hexen wurden sie verfolgt, ertränkt und bei Hexenprozessen öffentlich gefoltert und verbrannt.
Erst mit Beginn der sinnenfroheren Epoche der Renaissance wendete sich das Blatt für die Katzen wieder zum besseren. Als flinke Mäusejäger waren sie wieder gern gesehen, und als Schmusetiere hielten sie erstmals Einzug in die Gemächer des Adels.
Im 17.Jahrhundert gelangten schließlich die ersten langhaarigen Katzen aus dem Orient nach Europa; namentlich die türkische Angora.
Diese seltenen Exemplare waren damals wie alles kostbare und edle der Aristokratie vorbehalten. Aber mit dem Wandel von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft hatten immer größere Teile der Bevölkerung genügend Zeit, Geld und ästhetisches Empfinden sich aus Liebhaberei einen Hausgenossen halten zu können, der eigentlich keinen praktischen Nutzen mehr hatte.
Das war der Beginn einer neuen geradezu sinnlichen Beziehung, damit war aber auch der Grundstein gelegt für eine planmäßige Katzenzucht, die Ende des 19.Jahrhunderts in Europa Gestalt annahm.